GEBURTSABLAUF EINER RINDERGEBURT

24.10.2011 16:02 - Von Tierarztpraxis Strele

Die Trächtigkeitsdauer eines Rindes beträgt ca 274 Tage.
2 – 3 Wochen vor der Geburt kommt es durch die Zunahme der Östrogene, die von der Plazenta gebildet werden, zu verschiedenen körperlichen Veränderungen:
⁃ Auflockerung der Bänder im Beckenbereich
⁃ Rötung und Schwellung des weichen Geburtsweges
⁃ vermehrte Schleimabsonderung des Geburtsweges und ev. Austritt eines zähpappigen Schleimfadens aus der Scheide
⁃ Vergrößerung des Euters, vor allem bei Kalbinnen, auch genannt Euterödem

Innerhalb 48 Stunden vor Geburtsbeginn treten weitere Anzeichen auf:
⁃ deutlich fühl-, und sichtbares Einfallen der Beckenbänder
⁃ Quellung der Schamlippen und Abgang von Cervicalschleim
⁃ Umwandlung des wässrig, honigartigen Sekretes der Milchdrüse zu Kolostrum ( Biestmilch )
⁃ Einschießen der Milch
⁃ beginnende Unruhe
⁃ Abfall der Körpertemperatur um 0,5 – 1 Grad ( kann aber nur nach regelmäßig durchgeführten Messungen gewertet werden )

Die anschließende Geburt lässt sich in folgende Phasen einteilen :

1.) Öffnungsphase : Diese Phase beginnt mit dem Öffnen des inneren Muttermundes. Die Fruchtblase tritt in den weichen Geburtsweg oder ragt aus der Schamspalte hervor. Sie endet mit dem Sprung der Fruchtblase und dauert ca 6 – 16 Stunden.
2.) Aufweitungsphase : Dieses Stadium beginnt nach dem Blasensprung und endet mit dem Durchtreten der Stirn des Kalbes durch die Vulva. Durch den Dehnungsdruck der Frucht werden über Druckrezeptoren im Scheidengewölbe reflektorisch Kontraktionen der Bauchmuskulatur ausgelöst ( Bauchpresse ), wobei die größte Kraft am liegenden Tier entfaltet wird. Diese Phase dauert 1 – 3 Stunden, bei Kalbinnen eventuell doppelt so lang.
3.) Austreibungsphase : Sie beginnt mit dem Durchtreten des Kopfes oder des Beckens der Frucht durch die Vulva des Muttertieres und dauert normalerweise nur 5 – 10 Minuten.

95 % der Kälber werden in Vorderendlage geboren, das heißt mit Streckung von Vordergliedmassen, Kopf und Hals.
Die weniger oft vorkommenden Hinterendlagen, also mit gestreckten Hinterbeinen, sind häufiger mit Erschwernissen verbunden.

Damit durch mögliche Komplikationen weder Muttertier noch Kalb gefährdet werden, ist es ratsam, folgende Punkte zu beachten :
⁃ Ein zur Geburt anstehendes Tier ist stets rechtzeitig aufzustallen und sollte während der Nacht wiederholt kontrolliert werden. Hat die Abkalbung eingesetzt, ist eine ständige Überwachung von Seiten des Tierhalters erforderlich.
⁃ Ein Abkalbestall mit ausreichend Licht, sauberer Einstreu sowie vorhandenem fließendem Wasser sollte genauso selbstverständlich sein, wie ausgekochte Geburtsstricke und die sorgfältige Reinigung und Desinfektion der Vulva vor jeder Geburtshilfe.
⁃ Bei Schwergeburten, Torsionen ( sog. Drall ), Störungen des Geburtsablaufes durch falsche Lagerung der Frucht, Wehenschwäche, ( kann auch ein Symptom von beginnendem Milchfieber sein ), oder bereits bei Unklarheiten über den Geburtenverlauf, ist eine sofortige tierärztliche Hilfeleistung notwendig.
⁃ Umwelteinflüsse, wie laute Anbindeställe oder andere stresserzeugende Faktoren können die Geburt durch Auslösen von einer Wehenschwäche verzögern oder sogar zum Stillstand bringen.

Erfahrungsgemäß sind 80 % der tierärztlichen Geburtshilfeleistung auf Wehenschwäche zurückzuführen.
Spätestens 8 Stunden nach der Geburt sollte die Nachgeburt abgegangen sein.
Ein Desinfektion der Abkalbebox nach der Geburt ist empfehlenswert um eventuell vorhandene Krankheitskeime abzutöten ( BVD-Viren, Brucellen, Salmonellen, Leptospiren, Pilz, um nur einige davon zu nennen ).

Zur Versorgung der neugeborenen Kälber s. BLOG vom 10.11.09 !

Für weitere Fragen rund um alle Vierbeiner stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung

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