DIABETES MELLITUS BEI HUND UND KATZE

04.11.2012 16:14 - Von Tierarztpraxis Strele

Insulin ist das blutzuckersenkende Hormon, das in den B-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Durch den Insulinmangel kommt es zu Störungen im Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel. Entsprechende Symptome sind die Folge.
Betroffen sind Hunde, die älter als 5 Jahre sind. Samojeden, Terrier, Schnauzer, Pudel und Beagle zeigen eine erhöhte Anfälligkeit. Bei den Katzen sind vor allem ältere, übergewichtige Kater betroffen.

Die Klassifikation erfolgt wie beim Menschen :

Diabetes vom Typ 1 :
Der Organismus bildet Antikörper gegen die B-Zellen der Bauchspeicheldrüse, wodurch diese Zellen zerstört werden und die Insulinproduktion vermindert wird oder überhaupt fehlt. Dies ist die häufigste Diabetesform beim Hund.

Diabetes vom Typ 2 :
Bedingt durch eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen für das Insulin und / oder eine mangelnde Insulinproduktion erfolgt eine Hyperglykämie. Dieser Diabetestyp tritt vor allem bei der Katze auf und entspricht dem Altersdiabetes des Menschen.

Sekundärer Diabetes mellitus :
Verschiedene Grundkrankheiten, wie Entzündungen oder Tumore der Bauchspeicheldrüse, hormonelle Überproduktion der Schilddrüse oder Nebenniere, erhöhte Kortison-, oder Hormonverabreichungen können die Insulinproduktion vermindern oder dessen Wirkung beeinträchtigen. In letzterem Fall ist die Zuckerkrankheit sehr einfach durch Absetzen der entsprechenden Medikamente therapierbar.

Die 4 klassischen Diabetessymptome :
Polydipsie : Die Tiere trinken ein Vielfaches ihres normalen Wasserbedarfes, die Folge ist ein vermehrter Harnabsatz = Polyurie. Trotz massiver Futteraufnahme = Polyphagie erleiden die Vierbeiner einen Gewichtsverlust. Beim Hund tritt häufig eine Linsentrübung auf ( die Pupille erscheint weiß ). Die Katzen hingegen zeigen oft eine Hinterhandschwäche, Gehbeschwerden und Muskelschwund. Meist ist das Allgemeinbefinden der Tiere wenig gestört.
Bei komplizierteren Verlaufsformen sind hochgradige Störungen des Allgemeinbefindens Ausdruck der diabetischen Stoffwechselentgleisung, wie Futterverweigerung, Erbrechen, Durchfall, Apathie, Schwäche,…

Diagnose :
Eingehende Blut-, und Harnuntersuchung, eventuell Röntgen oder Ultraschall sichern die Diagnose.

Therapie :
Abgesehen von einigen Formen des sekundären Diabetes ist immer eine lebenslange Insulinverabreichung notwendig. Dabei sind folgende Punkte zu beachten :
Gleiche Futtermenge einer Diät ( proteinreich, kohlenhydratarm ), keine Leckerlis oder Zucker füttern, konstanter Fütterungszeitpunkt mit anschließender Insulinverabreichung, Stress meiden, regelmäßige Bewegung, Handhabung und Gabe des Insulins nach den Anweisungen des behandelnden Tierarztes sowie lebenslange Überwachung ( alle 3-4 Monate eine Blutuntersuchung ).

Das Ziel der Therapie :
Normale Wasser-, und Futteraufnahme, stabiles Normalgewicht und ein Nüchternblutzuckerwert von 90 – 200 mg/dl

Mögliche Komplikationen :
Hypoglykämie : „Unterzucker“, das Tier ist plötzlich schwach, apathisch, zittert oder zeigt Krämpfe. In diesem Fall ist es lebensnotwendig, sofort einen Glucosesirup oder mit Wasser verdünnten Honig ins Maul zu spritzen.

Hyperglycämie : „Zuckerschock“, das Tier ist hyperaktiv und erscheint wirr
Diabetische Ketoazidose: Schwäche, Erbrechen, keine Futteraufnahme
In jedem Fall ist sofort ein Tierarzt aufzusuchen.

Diabetikern dürfen nicht alle Medikamente und Narkosemittel verabreicht werden. Deshalb ist der behandelnde Tierarzt vorher entsprechend in Kenntnis zu setzen.

Häufig schrecken die Tierbesitzer vor dem Insulinspritzen zurück. Doch mit einer guten Einschulung beim Tierarzt kann diese Angst den Besitzern genommen werden. Eine gute Insulineinstellung gepaart mit einem konsequenten Tierbesitzer, der kooperativ mit dem behandelnden Tierarzt zusammenarbeitet ermöglicht noch viele Jahre gute Lebensqualität für den Liebling.

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